Aktion "Maggi" im Helmstedter "real" Markt

Wolfsburger Nachrichten 08.03.2001

Mit freundlicher Genehmigung der Braunschweiger Zeitung

Weltweite Kontakte der Funkamateure reichen sogar ins All - Präsentation bei "real"

Live im Supermarkt: Fernsicht vom Brocken

Von Jürgen Paxmann

"Verehrte Kunden, die Gemüseabteilung hält für Sie ab jetzt günstigere Angebote bereit", schallt es aus dem Lautsprecher. Die stereotype Ansage im Supermarkt nehmen die Kunden zumeist unterbewusst wahr. Doch Funkamateure aus ganz Norddeutschland, die am Mittwoch gegen 17.30 Uhr eine Verbindung zur Relaisstation auf dem Brocken herstellten, erfuhren auf diese Weise sehr viel über die Preisgestaltung des Helmstedter "real-Kaufs". Ein Zufall. Das Nebengeräusch von der Decke wird mitübertragen, wenn die Funker des Deutschen Amateur-Radioclubs Helmstedt ihrem Harzsender Funkbilder übermitteln.

Kein Zufall ist die Aussicht, die Kunden genießen können, wenn sie den Informationsstand der Funker im Supermarkt an der Werner-von-Siemensstraße besuchen. Sie sehen das Panorama vom höchsten Berg Norddeutschlands, das eine Kamera per Live-Schaltung an die kurzfristig eingerichtete Empfangsstelle in Helmstedt sendet. Bis zum 16. März präsentieren die Funker zwischen Gewürzständen ihr Hobby. Der Funkbetrieb wird jeweils von 16 bis 20 Uhr vorgeführt. Zudem werden Geräte aus der Geschichte der Nachrichtentechnik in drei Vitrinen aus gest ellt und die Entwicklung des Funks auf Schautafeln beschrieben.

" Heute ist ja wieder ein besonders schöner Sonnenuntergang", hebt Hans Haug, Vorsitzender des Helmstedter Ortsverbandes, beim Blick auf den Monitor die Stimme an, wohlwissend, dass er damit Interesse vor allem bei männlichen Passanten weckt. Helmstedts Funker stellen die ganze Bandbreite ihrer Kommunikationsmöglichkeiten dar - vom guten alten Morsegerät, über Kurzwellen- und Ultrakurzwellen-Funkgeräte bishin zum Packed-Radio, etwa vergleichbar mit dem Internet. Der Unterschied der neuesten Technik zur sonstigen Nachrichtenübermittlung besteht darin, dass Telekommunikationsgesellschaften nicht involviert sind, der Kreis der Funkteilnehmer ein geschlossener ist. Wer die Lizenz zum Funken hat, tritt weltweit in Kontakt mit Gleichgesinnten, die ihre Herkunft in verschlüsselten Buchstaben- und Zahlenfolgen angeben.

Besonders beliebt sind die Kontakte zu den Weltraumstationen. Ob zur ISS von der NASA oder zur russischen MIR, zu beiden Basen haben Amateurfunker die Möglichkeit, Botschaften zu senden und zu empfangen. Vorausgesetzt, die Astronauten haben ein bisschen Zeit, zu quasseln. Bei der MIR, ohnehin ein Auslaufmodell, ist das immer dann der Fall, wenn sie über Europa zwischen Spanien und Griechenland vorbeirauscht. Dann ist sie auch am Helmstedter Himmel für gut zehn Minuten zu sehen.

"Hier sehen Sie die MIR - fällt sie uns auf den Kopf?" Die Frage lässt sich schnell beantworten. Die Helmstedter verfolgen mit ihrem Packed-Radio jederzeit den Standort des Raumlabors.*) Mittwoch gegen 18 Uhr sendete es Signale vom Firmament über Somalia.

*) Anmerkung: Hier hat sich leider ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die "Verfolgung" erfolgte unter Zuhilfenahme eines Satellitenbahnberechnungsprogrammes (STSPLUS) mit den aktuellen, im Internet erhältlichen Keplerdaten. (DG4ACV).

Bilder vom Absturz der MIR gibt es im Internet

Aus kühleren Breitengraden stammt ein Gerät, auf das Hans Haug besonders stolz ist: Einen Telemetrie-Datensender, der ursprünglich in einem Wetterballon am Südpol im Einsatz war. Nach Absturz wurde der "voll funktionsfähige Schrott tatsächlich gefunden und uns für die Ausstellung zur Verfügung  gestellt", erklärt Haug.

Währenddessen kippt das Brockenbild. Eingeklinkt hat sich Bernd Lachmund aus Schöningen, der gerade mit einem gewissen Manfred aus Irgendwoher in Dialog getreten ist. Statt des Harz-Panoramas gibt es Bilder vom Elmrand, eingefangen von der schwenkbaren Kamera, die auf dem Haus des Schöningers installiert ist. Das Angebot der Gemüseabteilung ist inzwischen entwischt - in unendliche Weiten.

Wo ist die MIR? Die Frage wurde am Informationsstand der Helmstedter Funkamateure beantwortet.

 

Fotos: Oliver Bauer